Leo Luschnitz - TBF-Austria

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Ehemalige Mitglieder > Impressionen

Leopold Luschnitz


                                                                        
8225 Pöllauberg, Zeil 165, früher 1160 Wien
Tel. 0676/939 55 84 E-Mail:

Mitglied beim TBF Austria in den 70er-Jahren


               

Ich erinnere mich: Oskar Vladyka, der damalige Chef des Klubs, ermunterte mich, ein Rundband über den Zweiten Weltkrieg zu gestalten. Wir nannten es „Dreißig Jahre nachher“, ein Titel, mit dem die Medien 1975 häufig auf das Ende des 2. Weltkrieges vor 30 Jahren hinwiesen. Es war ein Versuch in zwei Folgen, den 2. Weltkrieg mit Fakten und Originalaufnahmen zu dokumentieren. Die Reaktionen der Rundbandabonnenten war sehr gemischt: Zu viele hatten den Krieg noch selbst miterlebt und wollten nichts mehr davon wissen, jüngere Mitglieder waren erstmals mit diesen Fakten konfrontiert und dankten für die Information. Ich habe kurz wieder einmal hineingehört und werde das Band (natürlich auf CD) meinen Enkerln als spätere Erinnerung an den Opa schenken.

Irgendwie seltsam: Der gleiche Oskar Vladyka, nach Gespräch mit Peter Machek, ermunterte mich, in der Vergangenheit des TBF Austria zu graben. Das wären jetzt wieder etwa dreißig Jahre nachher.

Stichwort Rundband: Das war etwas ganz Neues für uns private Tonbandler, die vor dem Klubbeitritt eigentlich mehr im stillen

Kämmerlein ihr Hobbyausübten. Auf einmal konnte man nach Anhören von Rundbändern durch Aufsprachen viele Amateure akkustisch kennenlernen. Es gab unzählige Interessensrunden und dadurch auch etliche Rundbandbetreuer österreichweit und im deutschsprachigen Ausland. Klar, daß man sich dann auch persönlich kennenlernte. Und was mich betraf: Es gab viele gescheite Leute, von deren Wissen man profitierte oder: mit denen man auch Widersprüchliches ausfechten konnte.

Irgenwie war das Rundband ein Vorgänger des Internets: Das Band war das jetzige E-Mail. Nur: Hektisch wie heute ging es da nicht zu! Da lag es dann einige Tage, es mußte erst einmal zu Hause Ruhe herrschen, das Mikrofon war ein heikles Medium. Vertippen und löschen war nicht. Zurückfahren, suchen, beim Versprecher stoppen, knacksen vermeiden, eine Anlage wie beim Internet mußte mit einem anderen Gerät zugespielt oder ins Band geschnitten werden. Aber: Da war man stolz, wenn des Resultat gepaßt hat. Und hat es zur Post gebracht.

Ehrlich: E-Mails produzieren ist dagegen eher Büroarbeit. Sogar die Rechtschreibung ist heute kein Mirakel. Falls mein Deutsch wackelig ist und rote Wellenlinien das Prunkstück zieren, wird halt korrigiert.

Dann gab es für manche von uns Wettbewerbe. Der NWT, ein nationaler Tonbandwettbewerb, war eine Herausforderung. Technisch wie auch schöpferisch. Zum ersten waren die meisten ja nur hobbymäßig ausgerüstet. Das sollte man aber nicht unbedingt hören. Also – man schielte bei den Auslagen der Anbieter nach dem Preis. Brrrrrr, zu teuer. Man hatte nur einen mikrigen Kassettinger und ein Spulentonband mit 9,5er-Geschwindigkeit, mono. Also: Aufrüsten war ein Muß. Dann war das gute Stück da. Tja, aber das Mikrofon – eine Katastophe. Die Wünsche ließen den Hausfrieden manchmal ziemlich ungerade hängen. Leute mit einer Revox sah man als akkustische Ferrari-Fahrer. Wurscht, Kreativität war gefragt. Und das war es: Man mußte sich mit einem Thema, das man gewählt hatte, auseinandersetzen. Und das war es eigentlich, wobei man profitierte. Nachdenken, das Ganze straff produzieren und niemanden mit dem Beitrag langweilen. Ein Lernprozess!

Eine meiner Lieblingserinnerungen ist ein von mir gebastelter Beitrag, der im Rundfunk bei der Sendung „Ton ab“ gesendet wurde. Die Sendezeit lag gut versteckt in Ö1 am Abend, damit man ja keine Hörer vergrämte, aber – man war im Radio namentlich genannt und wurde auch fürstlich bezahlt. 300 Schilling!

Der Klub veranstaltete regelmäßig Ausstellungen in der Villa Wertheimstein in Wien-Döbling. Da konnte jeder mitmachen, sein Wissen und seine Geräte vorführen und vor allem Kontakte knüpfen. Wenn ihr mich fragt: Das war speziell für Wiener ein Muß-Termin. Da war noch Pioniergeist vor Geldbörsl vorherrschend.

Daß es auch Veranstaltungen im Jahreslauf gab, wo man „mitschneiden“ konnte (für Nicht-Tonbandler: keine Brettljause beim Heurigen, sondern mikrofonmäßig aktiv), war nur eines der vielen Optionen für uns Tonbandler. Auch die periodische Klubzeitschrift „Playback“, von Ossy mit viel Schwung und mit sicherlich technischer Mühe (der Computer war damals kein Haushaltsgegenstand) herausgegeben, gab uns allen viele Impulse und vermittelte technisches Wissen. Übrigens: Einige Hefte werden fallweise im eBay als Sammlerrarität angeboten.

Vor 30 Jahren war ich dabei: Der TBF-Austria delegierte mich in die Jury zum 26. IWT 1977 in Wien. Das Label mit meinem Namen, A für Austria und die Fremdsprachen Englisch und Schwedisch prangen darauf. Sicher gab es in meinem Leben wichtigere Ereignisse, aber stolz und froh bin ich heute noch, dem TBF Austria angehört zu haben.


© Leopold Luschnitz im November 2007

Es wird mit dem Summerton am
Aktualisierung:12.07.2017
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